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  • Maßstab ungefähr M 1:800
  • Modellbaumaße Stalinallee (l/b/h) ca. 50 cm/12 cm/8 cm
  • Vierfarbendruck auf weißem Karton 190 gr/m2
  • Modellbogenformat Din A 4
  • Handverpackt im umweltfreundlichen PP-Flachbeutel
  • Beigelegte Bastelanweisung und Hintergrundinformationen
  • Einfach zu bauen: Schere, Lineal, Klebstoff genügen

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Karl-Marx-Allee, Block C Süd

Zum 50. Jahrestag des Arbeiteraufstandes erscheinen als Reprint von 1952 die Karton-Modellbögen des Blocks C Süd der ehemaligen Stalinallee (heutige Karl-Marx-Allee) in Berlin.

  • 5 Bögen auf 190g/qm und Beipackzettel mit ausführlichen Zusatzinformationen
  • viele liebevoll ausgearbeitete Details wie Fahrzeuge und Straßenrandbepflanzung
  • Maßstab ca. 1:400
  •  Preis: 7,90 Euro
  • ab dem 17.6.2003 erhältlich

Die Stalinallee in Ostberlin

Ostberlin 21. Dezember 1949: An der Großen Frankfurter Straße in Friedrichshain werden die Schilder ausgetauscht. Zu Ehren des selbst ernannten Führers des Weltproletariats, der an diesem Tag im fernen Moskau seinen siebzigsten Geburtstag feiert, heißt die Strasse nun Stalinallee. Es ist eine kaputte Straße. Ruinen säumen die breite Fahrbahn, nur an der Weberwiese wird ein bescheidenes Laubenganghaus errichtet. Die Führung der SED aber hat große Pläne: Hier an der Stalinallee soll der Welt, vor allem dem Westen, gezeigt werden, wie die Städte in der (sozialistischen) Zukunft aussehen werden. Einfache Häuser im Bauhausstil wie jenes Laubenganghaus dürfen es nicht sein. »Eierkisten« nennt sie Walter Ulbricht, die auch in der afrikanischen Savanne stehen könnten und das »Schönheitsempfinden des werktätigen Volkes« verletzen.

Hier an der Stalinallee soll prächtiger und gewaltiger gebaut werden. Große Häuser, Paläste und Kulturbauten sollen entstehen. Vorbilder für diesen Stil kennt der mächtigste Mann der DDR aus Moskau und Leningrad. So wie Stalin dort in den 30er und 40er Jahren bauen ließ, so soll auch die Stalinallee gebaut werden: Stil der »Nationalen Tradition« nennt die SED die geplanten Arbeiterpaläste, für die ein eigenes Gesetz, die »16 Grundsatze des deutschen Städtebaues«, erlassen wird.

Einwände werden von der SED Führung als »formalistisch« und westlich-dekadent verketzert. Wer so nicht bauen will, für den gibt es von nun an keine Aufträge mehr, er ist ein Feind des sozialistischen Aufbaues.

Wettbewerb

Für die Allee wird 1951 ein Wettbewerb ausgeschrieben. Die ersten fünf Preisträger (Hartmann. Paulick, Hopp, Leucht, Souradoy) erhalten den Auftrag, ihre Entwürfe zusammenzuführen und innerhalb von 14 Tagen einen akzeptablen Gesamtentwurf vorzustellen.

Mit gemeinsamen Entwürfen beschäftigen sich die Architekten in Kienbaum, dem Ort der verordneten Klausur, nur am Rande. Eifersüchtig versucht jeder von ihnen seine Vorstellungen durchzusetzen und die prominentesten Abschnitte der Allee für sich zu reklamieren. Am Ende gibt es einige flüchtige Ideenskizzen und die vage Vorstellung wer wo auf der Allee bauen wird. Keiner der Preisträger ahnt, dass der begehrteste Bauplatz auf der Allee, der Strausberger Platz (hier hätte Richard Paulick gern gebaut) einem anderen Architekten, Hermann Henselmann zufallen wird. Auf der entscheidenden Politbürositzung im Herbst 1951 finden dessen Entwurfe für den Platz die größte Zustimmung. Von nun an sind es sechs Architekten, die die Stalinallee bauen werden.

Nationales Aufbauprogramm

Die Stalinallee soll nach dem Willen der SED-Führung ein »Werk des ganzen Volkes« sein. Parallel zu den Planungen der Architekten wird im Herbst 1951 ein »Nationales Aufbauprogramm Berlin« aus der Taufe gehoben. Die Ost-Berliner - wenn möglich auch die aus dem Westen - sollen sich an der Enttrümmerung des Gebietes um die Stalinallee beteiligen, sollen Ziegel und Buntmetall bergen und bei den Schachtarbeiten für die Fundamente helfen.

Zur Propagierung des »NAP« werden alle Register der Massenbeeinflussung gezogen. Auch die Bastelbögen zur Stalinallee, damals ein beliebtes Mitbringsel aus der Hauptstadt, gehören dazu.

Neben propagandistischen Effekten erhofft sich die SED-Führung materielle Einsparungen - die Prachtbauten sprengen schon bald jeden Kostenrahmen. Die Hoffnung, mit der freiwilligen Arbeit zu einer der begehrten Alleewohnungen zu kommen, ist tatsächlich ein gewaltiger Anreiz. Für die, die zwischen 1952 und 1954 eine der 2700 neuen Wohnungen erhalten, geht damit ein Traum in Erfüllung. Die meisten DDR-Bürger jedoch leben in unzureichenden Wohnverhältnissen. Seit Juli 1952 verschlechtern sich zudem die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der DDR: Walter Ulbricht schwört die SED auf den Aufbau des Sozialismus ein, die Bevölkerung muß diesen Kurs teuer bezahlen. Ganze Gruppen der Gesellschaft, der Mittelstand, sogenannte bürgerliche Kreise, und die Bauernschaft werden politisch und wirtschaftlich drangsaliert. Den Arbeitern mutet die SED zur Erreichung ihrer Ziele eine 10prozentige Normerhöhung zu.

Es sind ausgerechnet die Maurer der Stalinallee, die »Aktivisten des sozialistischen Aufbaus«, die am 16. Juni 1953 mit ihrem legendären Protestzug zum Haus der Ministerien den landesweiten Volksaufstand vom 17. Juni 1953 auslosen. Heute erinnert ein Denkstein am »Rosengarten« (zwischen D-Nord und E-Nord) an jenen Marsch.

Der Baumeister von C-Süd: Richard Paulick

Richard Paulick wurde am 07. November 1903 in der Stadt Roßlau, unweit von Dessau, geboren. Sein Vater, Richard Paulick sen., war aktiver SPD Funktionär, zunächst in Roßlau, später in Dessau. Durch ihn wurde der junge Paulick bald vertraut mit den politischen Kämpfen der Zeit, zu den prägenden Erlebnissen gehören Kriegsausbruch und Novemberrevolution.

Nach ersten Versuchen beim Studium der Kunstgeschichte fand Paulick 1923 zu seiner Lebensaufgabe: Er wollte Baumeister werden. Die erste Station seines Studiums führte ihn nach Dresden. 1925 ging er nach Dessau. Die Meister des Bauhauses, Gropius, Kandinsky, Moholy-Nagy erkannten schnell die Begabung des 22jährigen und bezogen ihn ein bei der Suche nach neuen, revolutionären Formen des Bauens.

Stahl, Glas und Beton wurden erprobt als Grundlage für völlig neu konzipierte Siedlungen und Städte mit einer stark ausgeprägten sozialpolitischen Komponente. Zusammen mit Georg Muche entwickelte Paulick in Dessau ein »Stahlhaus«, das Aufmerksamkeit weit über die Fachwelt hinaus erregte.

Nach Dessau folgte Berlin, Richard Paulick wollte hier seine Ausbildung bei Hans Poelzig vollenden. Erste Arbeiten, wie das Arbeitsamt in Dessau oder die Mitarbeit an der Siedlung Törten, machten Paulick schnell bekannt; schon 1930 konnte er in Berlin sein eigenes Architekturbüro gründen.

Politisch war Paulick links orientiert, 1930 schloss er sich der SAP an und stand bekanntermaßen in Gegnerschaft zum Nationalsozialismus. Berechtigte Sorge vor Verhaftung zwang ihn 1933 in die Emigration. Freunde organisierten die Übersiedlung nach Schanghai. In China hatte Paulick mehr Glück als andere Emigranten, er konnte in seinem Beruf weiterarbeiten. 1937 gelang sogar die Gründung eines eigenen Büros.

1949 kehrte Paulick nach Europa zurück, 1950 kam er in das zerstörte Berlin. Im Osten, glaubte er, werden die Ideale seiner Jugend politische Realität. Er stellt sich, zunächst vorbehaltlos, in den Dienst der SED-Führung. Schon sein erster Auftrag führte ihn auf die Stalinallee, hier sollte 1951 in kürzester Bauzeit die »Deutsche Sporthalle«, ein Renommierbau für die »III. Weltfestspiele der Jugend und Studenten« errichtet werden. Sein Wettbewerbsbeitrag für die Stalinallee errang den 2. Platz, letztlich baute Paulick den Abschnitt C der Allee. Seine Meisterwerkstatt übernahm zudem die Koordinierung für die Gesamtleitung des Aufbaus. Von der DDR-Führung wurde Paulick mit Orden und Ehrungen überhäuft. Nach der Stalinallee folgten weitere große Aufträge: Paulick konnte ganze Siedlungen und Stadtteile wie Hoyerswerda oder Halle-Neustadt entwerfen und bauen. Nach 1955 standen dabei industrielle Fertigung, Typenbau und Montagebauweise im Vordergrund. Die »Stalinallee« war - so gesehen - eine Episode im Leben des Baumeisters Richard Paulick, gleichwohl brachte sie ihm den Spitznamen »Roter Schlüter des Ostens« ein Er verstarb am 4. März 1979 in Berlin.

Der Abschnitt C-Süd der Stalinallee/Karl-Marx-Allee
Der Abschnitt C ist einer der längsten Bauabschnitte der Allee, er wird eingegrenzt von der Koppenstraße im Westen und der Straße der Pariser Kommune im Osten. Den südlichen Block ließ Paulick an beiden Rändern weit in die Seitenstrassen hinein ragen. Der symmetrische Aufbau unterstreicht mit den drei Monumentalportalen den schloßartigen Charakter der Anlage. Der mittlere Baukörper ist mit Flachreliefs geschmückt, die in der Propagandasprache der Zeit das Nationale Aufbauprogramm preisen.

Abschnitt C wurde- wie die ganze Allee - als Wohn-und Geschäftsstraße gebaut. C-Süd beherbergte neben kleineren Geschäften des täglichen Bedarfs das berühmte »Haus der Stoffe« - heute ist hier ein FOX-Bekleidungsmarkt beheimatet. Im September 1953 eröffnete die Karl-Marx-Buchhandlung. Sie war für viele Jahre die großte Buchhandlung Ostberlins. Vor allem ihr Antiquariat lockt noch heute Bücherfreunde an.

Ein anderes, bis 1989 sehr beliebtes Geschäft an der Ecke Pariser Kommune existiert heute nicht mehr: »Hortex« prangte über der Eingangstur und Kenner wussten, dass hier Obst- und Gemüsekonserven aus Freundesland zu erstehen waren, begehrte Vitaminspender die vor allem in die unterversorgte DDR-Provinz gebracht wurden.

Am westlichen Ende des Abschnittes wurde 1953 eine »Milchtrinkhalle« eingerichtet. Jahre später wurde aus der Trinkhalle das legendäre Cafe Sibylle dessen Eisspezialitäten zu wiederholten Besuchen einluden. Heute, nach mehrjähriger Umbauzeit, präsentiert sich das Cafe Sibylle als Austellungs- und Veranstaltungsort. Eine ständige Ausstellung zur Stalin-/Karl-Marx-Allee soll Besuchern der Straße einen ersten Einblick in ihre wechselvolle Geschichte geben. Einzeltouristen und Gruppen sind hier hoch willkommen (T: 030/29 35 20 03).