Schaubühne zum Selberbasteln

Schaubühne zum Selberbasteln

icke

zitty 12/2006

Wer schon immer mal Besitzer eines Theatergebäudes werden wollte, kann jetzt die Schaubühne am Lehniner Platz bekommen. Allerdings braucht man dazu auch noch Schere und Kleber. Das Gebäude am Kurfüstendamm, das 1928 von Erich Mendelsohn erbaut wurde, ist nämlich jetzt als Modell in der „edition faltplatte“ erhältlich. Das von dem Architekten und Künstler Cord Woywodt erstellte Portfolio von Karton-Modellbögen umfasste nur östliche Gebäude aus dem Wohnungsbäuprogramm der DDR, den Berliner Fernsehturm und das Café Moskau. Nun ist die Falt-Platte also auch im Westen angekommen

und kostet 5,90 Euro (www.faltplatte.de)

Die Stadt steht Modell

Die Stadt steht Modell

Tagesspiegel, 22.2.07, S. 14

Ein Berlinmotiv-Designer der ersten Stunde ist Cord Woywodt. Mit seinem Plattenbau-Bastelbogen erntete er bereits 2002 überregional Ruhm und Ehre. Reich geworden ist er damit nicht. „Das ist ein Riesenaufwand, so etwas zu vermarkten“, hat er gemerkt. Immerhin gibt es seine Faltplatte und seit Neuestern
auch das Bauhaus in Dessau als Bastelbogen in vielen deutschen Museumsshops und Buchläden. Dass die Berliner Architektur eine so große Inspirationsquelle ist- findet er nicht weiter verwunderlich.
„Vieles wird zu schnell abgerissen oder ignoriert“, teilt er die Meinung seines Kollegen Berger. Dass sich besonders Bauten der sechziger und siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts im Gebrauchsdesign niederschlagen, sieht er darin begründet indes, dass diese Zeit heute die Grundlage der Auseinandersetzung mit Architektur bilde. Die Beschäftigung mit dem Stadtbild sieht er nicht auf Berlin beschränkt. Lange schon hat er die Idee, einen Kölner Wohnsilo-Bastelbogen zu entwickeln, doch bis jetzt ist er noch nicht dazu gekommen.

Sixpack

Sixpack

Baumeister, Dezember 2006

Geschenkideen für Architekten
Noch auf der Suche nach dem passenden Weihnachtsgeschenk für den Kollegen? Die Baumeister Redaktion präsentiert sechs besondere Geschenkideen.
5. Faltplatte – Jetzt auch für den Berliner Westen.

Kultobjekt Eigenbau

Kultobjekt Eigenbau

Schaedelspalter, Hannovers Stadtillustrierte, 12/2002

KULTSHOP
Pünktlich zum Tag der Deutschen Einheit präsentierten die Macher der edition faltplatte ein ganz besonderes Schmankerl für Freunde echter Ost-Kultur: den Plattenbau zum Selberbasteln. Kein unnötiger Schnickschnack lenkt das Auge des Betrachters von dem kleinen Kunstwerk im Maßstab 1:400 ab. Gerade Linien und ein klares, zurückhaltendes Design bestimmen das Bild der Häuser, in denen ungefähr ein Viertel der Gesamtbevölkerung der DDR ihr Leben verbrachte. Wer schon Schere, Lineal und Klebstoff herauskramt, um sich auf den Bau des Wohnhochhauspaares WHH GT 18/21 vorzubereiten, sollte sich lieber erst mal darum bemühen, eine der seltenen Mini-Reproduktionen an Land zu ziehen. Die sind nämlich nur in einer 1.000er Auflage erschienen. Der SPALTER hat ein paar Exemplare für Euch ergattert. sab

Plattenbau

Plattenbau

Orb Abendjournal 2.12.02

Orb Abendjournal 2.12.02
Es soll ja Menschen geben, die trotz mehr oder weniger großer Eigenheimzulage nie ein Haus bauen würden, aber jetzt können wir auch ohne dicke Marie zum Häuslebauer werden, dan Cord Woywodt, einem Architekten aus dem Westen Deutschlands, der sich für uns und sich selbst die Faszination der allertypischsten ostdeutschen Bauwerke entdeckt hat. Er hat die Plattheit der Platte noch unterboten mit dem von ihm entwickelten Papierbogen, aus dem sich im Maßstab 1:400 Bauwerke einfach zusammenfalten lassen.

KULTOBJEKT

KULTOBJEKT

Berliner Zeitung, 5.12.2002

Berliner Zeitung, 5.12.2002

KULTOBJEKT

Trotz Abriss: Die Platte lebt – als Minihaus zum Selberbauen

von Marcel Gäding
Prenzlauer Berg. Etwa acht bis neun Monate wird der Abriss des Marzahner Doppelhochhauses dauern. Cord Woywodt und Andreas Seidel brauchen eine Stunde, um es wieder aufzubauen. Oder besser: zu basteln. Denn ihre Platte besteht aus Pappe und passt auf jeden Wohnzimmertisch. Erinnerung an jene Zeit, als es im Osten der Republik nichts Schöneres gab, als in einer Neubauwohnung zu leben.

Der Architekt und der Landschaftsplaner aus Prenzlauer Berg sind die Erfinder der Faltplatte. Die gibt es im Maßstab 1:400 und in zwei Typen – als WBS 70 mit elf Geschossen oder als Wohnhochhaus mit 18 und 21 Geschossen. Wie.das in der Marchwitzastraße Als Vorbild dienten Häuser aus der Marzahner Kienbergstraße. Unsaniert. Die Fassaden schmucklos und grau. Details zu Etagenhöhen oder Giebelgrößen entnahmen sie ihrem eigenen Archiv. Dort liegen etliche Plane von Plattenbauten, die Cord Woywodt nach der Wende vor dem Reißwolf rettete.

Auf die Idee mit der Faltplatte kamen Woywodt und Seidel, als die Aufträge fur Bauprojekte spärlicher wurden. Warum, sagten sie sich, soll man sich nicht anderweitig mit Architektur beschaftigen? Es gab bereits ein Plattenbau-Kartenspiel. Doch einen Bastelbogen für Plattenbauten hatte noch keiner erfunden. Die Faltplatte, sagen die beiden, ist ihre Art der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema Platte. Selbst haben sie nie in der Platte gewohnt. »Ich kann mir aber gut vorstellen, in einem Plattenbau zu leben«, sagt Woywodt. Für ihn, den Architekten, sind Plattenbauten nationales Kulturerbe, ein Stück Baugeschichte. »Solche Häuser kann man doch nicht einfach so abreißen.« Mit ihrer Faltplatte wollen Woywodt und Seidel eine Botschaft verbreiten. Nicht die Platte ist das eigentliche Problem. »Es sind die fehlenden Freiräume zwischen den Häusern«, sagt Andreas Seidel. Die Platte an sich sei nicht mehr wegzudenken. Und: Weil es in der Innenstadt immer enger wird, könnten Plattenbausiedlungen bald gefragte Gegenden sein.

Die erste Auflage,der Faltplatte ist so gut wie vergriffen, die zweite bereits gedruckt. Architekten und Designer bestellen sie. Museumsshops, Fachbuchhandlungen und Szeneläden haben sie in ihr Sortiment genommen. Doch neben dem Fachpublikum interessieren sich vor allem Berlin-Besucher für den Bastelbogen. »Wir haben beobachtet, dass Touristen gern die Faltplatte als Mitbringsel mitnehmen«, sagt Cord Woywodt. Mittlerweile kreieren die beiden ein neues Projekt. In zehn Tagen soll Palast der Republik erscheinen. Zum Basteln und aus Pappe.

Plattenfalter

Plattenfalter

db, deutsche bauzeitung 12/02

Kaleidoskop
Im Osten der Republik wird die >>Platte<< mancherorts radikal platt gemacht. Nicht weil sie zum Wohnen nicht getaugt hätte, sondern weil nach der Völkerwanderung gen Westen zu viele der einst so beliebten Plattenbauten leer stehen. Wer wie ich als Nachkriegskind mit Schlagworten wie >>Baut auf!<< (Ost) und >>Wiederaufbau<< (West) groß geworden ist, tut sich schwer mit der neudeutsch euphemistischen Vokabel >>Rückbau<< – schließlich bedeutet das nichts anderes als Abriss. Wir möchten Sie – nach Aufbau und Rückbau – zum Wiederaufbau einladen. Im Maßstab 1:400 dürfen Sie der >>Platte<< ein Denkmal setzen. >>Wer will kann sich jetzt seine eigene Platte falten<< sagt der Architekt Cord Woywodt, der zusammen mit dem Landschaftsplaner Andreas Seidel verschiedene Bastelbögen des elfgeschossigen Plattenbautyps WBS 70 (und die 18- bis 21geschossigen Varianten WHH 18/21) entwickelt hat. Mehr noch: Wenn Sie eine genügend große Anzahl Bastelbögen ordern können Sie ganze Siedlungen aus Papier wieder erstehen lassen. Das einzige was fehlt ist die >>Pappe<< vorm Haus (für Wessis: der Trabant). So viel beschaulicher Wiederaufbau ist doch für die kommenden Weihnachtsfeiertage ganz genau das Richtige. Das lenkt ein wenig von der nicht ganz so rosigen Situation am Bau ab. Think positive!
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein besinnliches und schönes Weihnachtsfest und für das Jahr 2003 alles erdenklich Gute. Ihre db-Redaktion

Plattenhaus

Plattenhaus

Welt am Sonntag, 11.12.02

Die Architektur der ungeliebten Ostberliner Neubaugürtel zwischen Abriss und Kult

von Michael Pilz

Die Familie zog aus ihrem Haus mit Garten in den eindrucksvollen 30 Meter hohen Neubau QP71. Platte, quer, entworfen 1971 für das Wohnungsbauprogramm der DDR. Drei helle Räume gab es, die noch lange nach Zement und Kleister rochen. In der Küche waren Kunststoffschränke installiert. Da freute sich der Vater, dass er keine Kohlenruß-Verpuffungen im Heizungskeller mehr befürchten musste. Mutter war die Gartenpflege leid und planzte am Balkon Geranien. Und das Kind erlebte auf der Großbaustelle vor der Haustür Abenteuer. Es schloss Bagger kurz, bewies beim Pinkeln in die Dunkelheit der Umspann-Häuschen Mut oder formte Kunstwerke aus frischem Fensterkitt. Wobei die Lösungsmitteldämpfe selbst die ärgsten Rüpel freundlich stimmten, diese gab es dort schon immer in besonders reicher Zahl.

Noch in den frühen 70-er Jahren waren viele froh, im Plattenbau zu leben. Das ließ in den 80-er Jahren deutlich nach. Am Schluss verlor sich das Vergnügen in der Regel völlig. Die Familie zog noch vor dem Mauerfall in einen Bungalow mit Garten. Gerne überließ sie die bald arg verkommenen Siedlungen Nostalgikern oder sozial Gefährdeten. Die Straßen übernahmen kahlköpfige junge Männer. Und die Rathäuser der Plattenbau-Bezirke übernahm die PDS in ihrem neuen Stammland.

Wer in Buchläden nun auf die Bastelbögen von Cord Woywodt stößt und selbst den Ansehensverlust des Plattenbaus erlitten hat, ist reichlich irritiert. Der Architekt aus Celle gibt die „Faltplatte“ heraus. 400fach verkleinert, lassen sich die Typen WBS 70 und GT 18/21 ausschneiden, zusammenleimen und daheim in die Vitrine stellen. Das verlangt naturgemäß nicht allzu viel Geschick. Es widerspricht also dem Ehrgeiz jedes Bastlers, grau bedruckte Quader herzustellen. Das, sagt Woywodt, sei der Witz der Sache. Das Genormte, Nüchterne und Schlichte habe ja der Platte ihren schlechten Ruf beschert.

Was Platten-Veteranen aber eigentlich verwirrt, ist dieser Schick des Schauers, ein gewisser Kult. Der äußert sich verstärkt im Bastelbogen „Faltplatte“. Oder im Kartenspiel „Plattenbauten – Berliner Betonerzeugnisse“. Oder in zahlreichen Berliner Platten (!), in Elektro-Pop-CDs, die auf den Hüllen die kühle Langeweile gern durch Betonfassaden unterstreichen. Es gibt Kinofilme wie „alaska.de“, in dem Marzahn als hoffnungsfernes Jugendghetto abgebildet wird. Oder wie „Halbe Treppe“, wo die Plattenbauten in Frankfurt an der Oder von der Wärme proletarischer Geselligkeit vibrieren.

Das hat alles mit dem Sog Berlins zu tun. Und mit dem Eifer, diese Metropole von den Herkunftsorten jedes Neuberliners abzuheben. Denn in Wahrheit stellt die Stadt sich so beschaulich dar wie München-Schwabing (Prenzlauer Berg), Konstanz (Köpenick) oder Stuttgart (Spandau). Deshalb wird sie unwirtlicher, rauher, ostiger und den Zurückgebliebenen schockierender gezeigt, als sie es wirklich ist. Durch kyrillische Schriftzeichen, durch Bilder unsanierter Plattenbauten: Weite, Anonymität, schneidende Winde, desillusionierte Eingeborene und Kaufhallen voll Büchsenbier und Hackepeter.

Erst vor kurzem zogen 50 Künstler wieder aus dem Hellersdorfer Elfgeschosser aus, den sie drei Monate bewohnen durften. „Dostoprimeltschatelnosti“ (Russisch für Sehenswürdigkeiten) hieß das Kunstprojekt. Die Künstler dübelten an der Fassade das Schild „Heimat“ an. Den elften Stock beleuchteten sie rot und nannten ihn ironisch „Love Hotel“. Ob ihnen Heiner Müller als bewährter Plattenbaubewohner und sein Bonmot „Fickzellen mit Fernwärmeanschluss“ geläufig waren, konnte nicht ermittelt werden.

Ja, der Mensch hinter der Platte pflegt seit jeher eine tiefe Hassliebe zu seiner Unterkunft. Im übrigen: Ein echter Plattenmieter sagt nicht „Platte“, er sagt „Neubauwohnung“. Davon steht mehr als ein Zehntel bereits leer im Ostberliner Siedlungsgürtel. Und in Kürze wird der erste GT 18/21 in Marzahn zurückgebaut, prosaisch: abgerissen. Wenn sich die Berliner Szene nicht beeilt auf ihrer Flucht vor Trittbrettfahrern und Touristen, auf dem Weg von Mitte über Friedrichshain und Lichtenberg nach Hellersdorf, Marzahn und Kaulsdorf-Nord, wird einiges von ihren neuen Lieblingsoberflächen weggesprengt und abgetragen.

Beides, Kult und Rückbauwut, verdanken sich dem schlechten Ruf der Platte. Der entstand mit der tatsächlichen Tristesse in der DDR. Die Neubausiedlungen wurden zum Sinnbild ihres Niedergangs. Nicht zufällig waren Familien froh und voller Hoffnung, als sie in den frühen 70-ern die Wohnungen bezogen: Ulbricht lag im Sterben, Honecker galt als Reformer. Lug und Trug, Ernüchterung und Flucht ins Grüne oder Trost im Altbau wurden in die zweite Hälfte des Jahrzehnts verschoben. Dies ist keine Nostalgie: Das Volk trug trotz der angeratenen Skepsis Schlaghosen mit Blumen, und die Sonne schien über das Wohnungsbauprogramm. Die Kinder spielten in den zweckentfremdeten und farbenfroh lackierten Abwassersegmenten. Und Frank Schöbel, Schlagerstern der DDR und Plattenbaubewohner, sang mit Neubaukindern „Komm wir malen eine Sonne auf den grauen Pflasterstein“. Es wohnten Künstler, Bonzen, Stasi-Offiziere, Arbeiter, und Intellektuelle oft im selben Block. Verantwortliche Architekten sprachen vom Typ Gartenstadt. Im Unterschied zu Arbeiterschließfächern und Trabantenstädten in erklärtermaßen üblen Großstädten des Westens.

Diese nicht ganz falsche aber immer heftig übertriebene Idylle war die Ursache des ersten Argwohns. Auch für den verdienten Exodus der 80-er und 90-er Jahre aus der Platte. Schließlich für die Platte, wie sie nun gesehen wird: Sie ist urbanes Sorgenkind, vernachlässigt und abrissreif; sie gilt als Filmkulisse, schriller Pop-Mythos und Kultobjekt. Zum Staunen und Entsetzen, Spielen oder Basteln.

Cord Woywodt, Andreas Seidel: Faltplatte WBS 70/11, 3 Bögen 4,90 Euro; Faltplatte WHH GT 18/21, 2 Bögen, 3,90 Euro.