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Berlin II: Gastspiel in New York

Berlin II: Gastspiel in New York

Artinvestor
03-2007

Gleich zweimal ist Berlin, das in Amerika derzeit als besonders hip gilt, dieses Jahr in NewYork zu Gast. Den Auftakt machen aktuell die exklusiv von 20 Berliner Jungdesignern für den MoMA-Designstore entworfenen Produkte, die dort in derVerkaufsausstellung "Destination Berlin" die Stellung halten bis zum genreübergreifenden Festival "Berlin in Lights".Von der Carnegie Hall organisiert, bringt es vom 2. bis 8. November u.a. Sir Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker gemeinsam mit einem Corps dc Ballett aus New Yorker Schülern sowie aktuelle Literatur, Politik und Architektur aus der deutschen Hauptstadt auf die Bühne.

Für Millionen Menschen in der DDR waren sie Luxus: Plattenbauten mit fließendem Warmwasser und InnenWC

Für Millionen Menschen in der DDR waren sie Luxus: Plattenbauten mit fließendem Warmwasser und InnenWC

Dietmar Bender

Nostalgikern der Plattenbauten bietet der Berliner Architekt Cord Woywodt eine Lösung. Er verkauft Bastelbögen von WBS 70 & Co.

Märkische Oderzeitung
12.3.2010
Von DIETMAR BENDER
Berlin. Ein Viertel der DDR-Bevölkerung wohnte Ende der achttiger Jahre in Plattenbauten, in 3erlin mit 700 000 sogar jeder weite. DDR-weit gab es sieben 3roßwohnsiedlungen in statticher Größe mit jeweils über W 000 Einwohnern. Obwohl ach der Wende die Kritik an solchen Neubausiedlungen sehr laut wurde, lebten die Bewohner zum großen Teil gern in ihrer „Platte“.

Dieses Phänomen beschäfigte den Architekten Cord Woywodt, der, in Celle aufgewachen, seit 1990 im Ostteil Berlins lebt. Er wollte für den Plattenbau eine Lanze brechen und kreierte 2002 einen Faltbogen mit zwei Plattenbautypen. Er wollte eher ein Zeichen setzen als hohe Verkaufszahlen erzielen. Heute hat er eine ganze Palette von Ost-Berliner Gebäuden im Angebot.

Die erste Berührung mit dem Plattenbau im Osten hatte Cord Woywodt 1987. Von West-Berlin aus, wo er in den achtziger Jahren Architektur studierte, besuchte er Bekannte im Ostteil der Stadt. „Sie waren gerade aus Prenzlauer Berg nach Hellersdorf in einen Plattenbau gezogen“, blickt er zurück. Alles sah so uniform aus. Um den Kindern die Orientierung zu erleichtern, hatte man Märchenfiguren an die Häuser gemalt. Dass er einmal eine Lanze für den Plattenbau brechen würde, hätte der heute 45-Jährige damals nicht gedacht.

Doch dann kam das Jahr 2001. is war für die Architekten kein Gutes. Die Aufträge brachen ein, aber immerhin – die Frage nach dem Umgang mit den Plattenbausiedlungen blieb. Sanierung, Veränderungen der Wohnungsrundrisse, Rückbau, Abriss – die „Platte“ war ein Thema in Architekturkreisen. Cord Woywodt hatte seinen ganz eigenen Zugang zum Plattenbau. Er besuchte öfter seine Freunde in Berlin-HeIlersdorf, lernte die Geschichte des Plattenbaus aus der Sicht der Bewohner kennen und erlebte, wie gern viele dort wohnten.

Er wollte diesem Phänomen auf die Spur gehen, einer Stahlbetonbauweise, die mit einem Gartenstadtprojekt in einem New Yorker Stadtteil 1910 begann und nach 1920 als .,Klassische Moderne“ die Abkehr vom Historismus einläutete. Zwischen 1926 und 1930 entstand eine erste BetonplattenSiedlung in Deutschland, als die noch heute existierende Splanemann-Siedlung in Berlin-Lichtenberg gebaut wurde. Doch der Hochhausbau in Plattenbau weise nahm erst nach dem Zweiten Weltkrieg seinen Anfang. Ein erster Großp!attenversuchsbau entstand 1953 in Berlin-Johannisthal, die erste Hochhauspiattenhausiedlung in Hoyerswerda. Mit dem DDR-Wohnungsbauprogramm von 1972 begann die großflächige Bebauung von Marzahn und Hellersdorf.
„Der Plattenbau hatte nach der Wende ein schlechtes Image, dem wollte ich etwas entgegensetzen und der „Platte ein politisches Gewicht verleihen“, erzählt Cord Woywodt. Mitten in der Auftragilaute ging er deshalb in die Offensive. „Dann bastle ich mir eben die Arbeit selber, sagte er sich und kreierte einen Faltbogen mit zweien der gängigsten DDRPlattenbautypen im Maßstab von 1:400, nämlich WBS 70/11 (Wohnungsbauserie 70 als Elfgeschosser) und WHH-GT18/21 (Wohnhochhaus Großtafelbau mit einer Kombination aus einem 18- und einem 21-Geschosser).
„Eigentlich ist es ja absurd, solche Plattenbauten als Faltbogen zu gestalten, aber ich wollte mit dieser witzigen Aktion Aufmerksamkeit für die „Platte“ erlangen. Das hatte ganz und gar nichts mit Ostalgie zu tun“, erklärt Woywodt.
Bevor er die beiden ersten Faltbogenmotive gestaltete, beschäftigte er sich monatelang mit den Plattenbautypen, stöberte in Bauplänen und Büchern. 2002 ließ er 1000 Faltbögen drucken und ging ab Herbst in Souvenir- und Buchläden sowie in Museumsshops Klinken putzen. „ich war vom Erfolg völlig überrascht. Ich rannte überall offene Türen ein“, schaut er zurück. Seine Idee wurde schnell bekannt. Interessenten aus dem gesamten Bundesgebiet und sogar aus der Schweiz und Osterreich bestellten seine Bastelbögen. Das New Yorker Museum of Modern Art hat die Ausschneidebogen im Rahmen der Ausstellung „Destination: Berlin“ in seinen Design Store aufgenommen, um sie unter die Amerikaner zu bringen.

Bald war klar, er musste nachlegen. So kamen Gebäude der ehemaligen Stalinallee hinzu, ebenso wie der Palast der Republik, der nach seinem Abriss eine besondere Bedeutung erhielt, das Haus des Lehrers, der Fernseht= und das Café Moskau. Außerdem versuchte er sich mit der Schaubühne auch an einem Motiv aus dem Westteil der Stadt. „Doch die geht gar nicht“, musste er feststellen. Besser dagegen lief sein erstes Motiv, das außerhalb Berlins steht -das Bauhaus in Dessau. Hier schwang die Liebe des Architekten zum Bauhausstil mit.

Insgesamt gingen bislang über 40 000 Faltbögen an die Käufer, wobei die Plattenbauten (3,90 und 4,90 Euro), der Fernsehturm (6,90 Euro), der Palast (5,90 Euro) und das Bauhaus (6,90 Euro) am beliebtesten sind. Er vertreibt sie über seine Internet-Seite faltplatte.de

Nachdem sich Cord Woywodt mit seiner ,,Faltplatte“ einen Namen gemacht hatte, wurde er auch in der Architekturbranche als Platten-Experte betrachtet. Er arbeitete mit Wohnungsbaugenossenschaften in den Berliner Bezirken Mitte, Marzahn und Hohenschönhausen zusammen, um die Grundrisse von Plattenbauwohnungen Zn verändern. Zudem hatte er die Idee, für einen Bauherrn aus dem Material abgerissener Platten ein neues Privathaus zu bauen, aber das Projekt verlief im Sande.

Eigentlich stand der Verkauf seiner Faltplatten-Kollektion nie im Vordergrund, eher schon der Wunsch, mal eine Marke im Markt zu platzieren. Das ist ihm gelungen. Dass sich die ,,Faltplatte“ nun sogar selber trägt, freut ihn natürlich auch. Dabei hatte er in den vergangenen zwei Jahren keine Zeit, sich an weitere Motive heranzutasten. Erst jetzt will er wieder einen neuen Bastelbogen kreieren. „Ich werde es mal mit etwas komplizierteren Faltungen probieren“, verrät er. Aber über das neue Motiv schweigt er sich noch aus.

Fernsehturm fürs Fensterbrett

Fernsehturm fürs Fensterbrett

Berliner Zeitung 20.11.2009
Mutmacher – jetzt und hier

Mit der ,,Faltplatte“ wurden DDR-Gebäude zu Souvenirs und aus einem Architekten ein Designer
VON BARBARA WEITZEL

Die Not gebiert oft die besten Ideen. Und manchmal ist der, dessen Kopf sie entsprungen sind, selbst überrascht von ihrer Wirkung. Cord Woywodt, 45 Jahre alt, Architekt aus Celle, hatte jedenfalls keine Vorstellung davon, wie der Plattenbau und in paar Bögen Karton sein Berufsleben verändern würden.

Wir schreiben das Jahr 2002. ein düsteres fahr für Architekten: der Booms der Neunzigerjahre ist vorbei, die Branche ist gelähmt, Aufträge bleiben aus. Stattdessen wird damit begonnen, Plattenbauten abzureißen, andere werden renoviert, die Zukunft der Gebäude ist ein Thema in Architektenkreisen und in den Medien. Woywodt, der seit 1987 in Berlin lebt und arbeitet, fragt sich, wie man die Erinnerung erhalten könnte an dieses Stück deutsche Architekturgeschichte, Spielerisch und anspruchsvoll zugleich, für Architekturinteressierte, Berlin-Freunde und Tüftler. Heraus kam: die Faltplatte. Aus einem Bastelbogen kann nun jeder die Plattenbaumodelle WBS 70/11 und WHH GT 18/21 im Maßstab 1:400 nachbauen  sofern er über 3,90 bis 7,90 Euren Schere, Kleber, eine Teppichschneider und ein bisschen Geduld verfügt. Zwei bis drei Stunden, und ein Stück DDR-Geschichte, steht wieder auf dem Fenstersims, in der Vitrine, im Kinderzimmer.

„Ich hätte nie gedacht, dass die Faltplatte so begehrt sein würde“, sagt Woywodt heute, In den ersten Monaten habe er wöchentlich drei Interviews gegeben und Hunderte von Bestellungen bekommen „Es war offenbar das richtige Produkt zum richtigen Zeitpunkt“. Ein bisschen Ostalgie hier, die Debatten um den Umgang mit den ungeliebten Plattenbauten da und vom Ruf Berlins als Kunst und Designstadt war bereits das erste Flüstern zu hören.

Mittlerweile ist es ruhiger geworden, dennoch hat Woywodt so viel mit seinem „Nebenberuf“ als Designer zu tun, dass das Spiel mit Papier und Pappe das Planen echter Häuser auf den zweiten Platz verwiesen hat. Mehr als 40000 Faltplatten gingen seit 2002 über die Ladentische von Buch und Souvenirläden  oder sie wurden über Cord Woywodts Homepage im Internet bestellt,

Ein Grund mehr, das Angebot zu erweitern: Neben den Bastelbogen vertreibt Woywodt seit zwei Jahren von seinem kleinen Büro in der Lottumstraße aus auch die Betontapete, Die Tapeten mit acht verschiedenen Optiken von „Sichtbeton Plattenbau“ über,,Waschbeton“ bis hin zu „Berliner Mauer“ verkaufen sich gut, bisher in München, Hannover und natürlich Berlin. „Ich bin noch in der Entwicklungsarbeit, komme aber nicht recht dazu.“ Der Grund: Die Nachfrage nach neuen Bastelbögen. Den Plattenbauten folgten in den Jahren der Palast der Republik, das Café Moskau, der Block C Süd in der Karl-Marx-Allee und das Haus des Lehrers am Alex. Dauerbrenner im Verkauf ist der Berliner Fernsehturms. Den Schritt in den Westteil der Stadt machte Woywodt mit der Miniatur Schaubühne. Einen Blick über Berlin hinaus richtete er, als das Bauhaus in Dessau zur Faltplatte werde. Weiches Gebäude das nächste sein wird, behält Woywodt für sich, „Es wird noch dieses Jahr zu kaufen sein“, sagt er nur.

Die Druckvorlagen fertigt Woywodt zwar am Computer an, viele Details und Farben zeichnet und aquarelliert er aber vorher und scannt sie dann ein. Er ist sich sicher, dass der Erfolg der Faltplatte etwas mit dieser Handarbeit zu tun hat. ,.Selbstgemachtes erfüllt eine Sehnsucht, Ein Produkt strahlt Sympathie und Wärme aus, wenn der Hersteller sich Mühe gegeben hat“, taugt es“. Außerdem genieße er das Arbeiten mit den Händen, ohne Rechner. So geht es wohl auch den vielen Menschen, die seit sieben Jahren kleine Sehenswürdigkeiten bauen und Modelle von Wohnblocks in sozialistischer Bauweise aus Berlin mit nach Hause bringen.

Darauf ist der sonst bescheiden auftretende Woywodt ein bisschen stolz: „ich freu mich, dass ich meinen Beitrag zur Renaissance des Bastelbogens geleistet habe“, gibt er zu. Eine alte Idee, die lange mit Kindheit und Freaktum assoziiert wurde, hat wieder Einzug in die Szene und den Alltag gehalten. Eine sehr alte Idee übrigens: Der erste Bastelbogen stammt aus dem Jahr 1544 und war ein Bausatz für ein Kruzifix, gedruckt auf Büttenkarton.

Der Herr des Fernseh-Faltturms

Der Herr des Fernseh-Faltturms

Berliner Kurier 15.09.2009

von TRE

Ansichtskarten sind was Tolles.
Man kann sie verschicken und dann sehen die Verwandten wie schön es zum Beispiel am Alex ist.
Der Fernsehturm beeindruckt aber nur, wenn man davor steht.
Oder man stellt sich den Großen einfach in die heimische Vitrine! Cord Woywodt (45) hat es uns vorgemacht. Er hat sich den Turm vor fünf Jahren einfach gebastelt. Der Architekt ist Erfinder der Faltplatte. 2002 entwarf er einen Plattenbau als Bastelbogen. Der Erfolg war gigantisch. „Hätte ich nie erwartet, so Woywodt. In Deutschland habe eine „Renaissance des Basteln“ eingesetzt „Meine Entwürfe haben diesen Trend noch verstärkt.“ Immer neue Bastelbogen erschienen, auch in Holland, der Schweiz. Sogar in New York waren Woywodts Basteleien schon zu sehen! Der Falt-Fernsehturm erschien 2004. Was kommt als nächstes? ..Überraschung“.

Keine Lust auf Schloss Lenzburg und Ballenberg?

Keine Lust auf Schloss Lenzburg und Ballenberg?

Umbauen + Renovieren
Das Schweizer Magazin für Modernisierung

März/April 2009

Die Berliner Edition Faltplatte führt die etwas anderen Karton Modellbögen in ihrem Programm.
So etwa Plattenbauten aus der DDR-Zeit, das Bauhaus Dessau, den Palast der Republik,
oder den hier gezeigten Fernsehturm.

Beyond architecture

Beyond architecture

Erwähnung in »Beyond architecture: Imaginative Buildings and Fictional Cities« von Die Gestalten Verlag, Berlin 2009 (S.98):

Inspired by the architecture of the former GDR, Cord Woywodt established the edition faltplatte in 2002 – extraordinary pieces of architecture as cardboard cutouts. Starting with two different models of East German prefabricated housing blocks, he now includes more models like the Berlin TV tower and the Bauhaus of Dessau. Faltplatte enables a different view on architectural structures by scaling them down.

Die Stunde der Souvenir-Jäger

Die Stunde der Souvenir-Jäger

Sammler sichern sich Erinnerungsstücke

Berliner Kurier
20.11.2008

… Weltweit beliebt sind die Papp-Palast-Bastelbögen des Berliners Cord Woywodt.
Die Nachfrage ist riesig […] sogar aus Kanada gibt´s Bestellungen.

Realität Marke Eigenbau

Realität Marke Eigenbau

Anke Haeming

Mit 3D-Modellen aus Pappe lässt sich auch große Architektur begreifen.
Berliner Zeitung, 19.März 2008

Auf der Seite von Faltplatte gibt es denkwürdige Berliner Architektur zu Selbstzusammenkleben….